Januar 2018: 55 Jahre Élysée-Vertrag

17.01.2018
Élysée-Vertrag Bild vergrößern Die Flaggen Deutschlands, Frankreichs und Europas wehen vor dem Reichstag in Berlin (© dpa)

Am 22. Januar wird der Tag der deutsch-französischen Freundschaft gefeiert. Der Gedenktag wurde 2003 ins Leben gerufen, 40 Jahre nach Unterzeichnung des Élysée-Vertrages. Zum 55. Jahrestag 2018 soll die deutsch-französische Freundschaft bekräftigt und ausgebaut werden. 


Hamburg (dpa) - Der 22. Januar 1963 gilt als der Geburtstag für die deutsch-französische Partnerschaft. An diesem Tag unterzeichneten Bundeskanzler Konrad Adenauer und der französische Staatspräsident Charles de Gaulle im Pariser Élysée-Palast den Vertrag über die deutsch-französische Zusammenarbeit. Der Élysée-Vertrag besiegelte die Aussöhnung der Nachbarländer und hat sie seitdem immer mehr zusammengeführt.

In dem Vertrag verpflichten sich die Regierungen zu Konsultationen in allen wesentlichen Fragen der Außen-, Sicherheits-, Jugend- und Kulturpolitik. Beide Seiten setzen Koordinatoren für die deutsch-französische Zusammenarbeit sowie Bevollmächtigte für kulturelle Angelegenheiten ein. Der Unterzeichnung des am 2. Juli 1963 in Kraft getretenen Vertrages folgte am 5. Juli 1963 die Vereinbarung für das Deutsch-Französische Jugendwerk.

Der Élysée-Vertrag wurde später durch zwei Protokolle geändert: 1988 setzten Kanzler Helmut Kohl und der französische Präsident François Mitterrand Räte zur Abstimmung von Verteidigungsinteressen sowie der Wirtschafts- und Währungspolitik ein.

Zur Erinnerung an das historisch bedeutsame Abkommen wird seit 2003 jedes Jahr am 22. Januar der «Tag der deutsch-französischen Freundschaft» gefeiert. Der Bundestag und die französische Nationalversammlung wollen nun in einer gemeinsamen Resolution einen neuen deutsch-französischen Freundschaftsvertrag auf den Weg bringen. Zum 55. Jahrestag des ersten Élysée-Vertrags am 22. Januar kommen die Parlamente in Berlin und Paris zu Sondersitzungen zusammen, um die deutsch-französische Freundschaft zu bekräftigen und auszubauen.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte in seiner viel beachteten Sorbonne-Rede zur EU-Reform auch eine Neuauflage des Élysée-Vertrags vorgeschlagen.

Außenminister Gabriel und Präsident Macron mit dem Elysée-Vertrag (Archivbild vom März 2017), Bild vergrößern Außenminister Gabriel und Präsident Macron mit dem Elysée-Vertrag (Archivbild vom März 2017), (© Florian Gaertner/photothek.net)

Am 22. Januar 1963 unter­zeichneten Staatspräsident Charles de Gaulle und Bundeskanzler Konrad Adenauer den „Vertrag über die deutsch-französische Zusammenarbeit“, besser bekannt als Elysée-Vertrag. Er hat bis heute nicht an Bedeutung verloren.

Grundstein der deutsch-französischen Beziehungen

„Der Elysée-Vertrag hat auch nach 55 Jahren nichts von seiner Bedeutung verloren“, betonte Außenminister Sigmar Gabriel. Die Jahrhunderte alte Rivalität zwischen Deutschland und Frankreich wurde beendet, der Grundstein für eine enge und freundschaftliche Zusammenarbeit gelegt. Bis heute bildet der Elysée-Vertrag die Grundlage der deutsch-französischen Freundschaft – mit keinem anderen Land arbeitet Deutschland so eng zusammen.

Europäischen Reformprozess voranbringen

„55 Jahre später kommt es darauf an, den Blick zu weiten“, setzte Gabriel fort. „Deutschland und Frankreich haben eine gemeinsame Verantwortung für die Fortentwicklung ganz Europas.“ Der europäische Reformprozess müsse nun gemeinsam fortgesetzt werden. „Die historische Chance, die wir jetzt mit dem überzeugten Europäer Macron haben, müssen wir wahrnehmen: bei der Reform der Wirtschafts- und Währungsunion und wenn es darum geht, Europa insgesamt stabiler und gerechter zu machen.“

Deutschland und Frankreich müssen gemeinsam die EU zusammenhalten, so Gabriel, und gleichzeitig weiterhin die bilateralen Beziehungen zu Frankreich pflegen.

Vertrag für die Jugend

Der Vertrag besteht aus drei Teilen: zunächst verpflichtet er beide Regierungen zu Konsultationen, die regelmäßig auf Regierungsebene stattfinden. Zudem sieht der Vertrag eine enge Zusammenarbeit und Abstimmung in allen wichtigen Fragen der Außen-, Sicherheits-, Jugend- und Kulturpolitik vor.

Ein weiterer wichtiger Teil ist der Jugend gewidmet: der Vertrag legt fest, dass in beiden Ländern die jeweiligen Sprachen gefördert werden sollen, auch der Austausch zwischen Jugendlichen wurde etabliert. In der Folge nahm das Deutsch-Französische Jugendwerk noch 1963 seine Arbeit auf. Seitdem haben haben mehr als 8,4 Millionen junger Menschen aus Frankreich und Deutschland an rund 320.000 Austauschprogrammen und Begegnungen teilgenommen.

Europäische Integration

Der Elysée-Vertrag steht in einer Reihe wichtiger Annäherungsschritte nach dem Zweiten Weltkrieg, nicht nur zwischen Deutschland und Frankreich, sondern auch in Europa insgesamt. 1950 legte der Schumann-Plan die Grundlage für die enge Zusammenarbeit im Montanbereich, 1951 wurden dann die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl gegründet, die wiederum das Fundament für die spätere Europäische Union legte.

Der Elysée-Vertrag schließlich begründete den vielzitierten deutsch-französischen Motor für die europäische Integration: ein starkes Tandem, das sich für die enge Kooperation zwischen allen europäischen Staaten einsetzt. „Ohne die konkrete deutsch-französische Zusammenarbeit kommen wir in Europa nicht voran, das ist Fakt“, betonte Gabriel.

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